Wie gehe ich mit mir um, wenn es mal nicht nach Plan läuft?

Gerade dann, wenn ich doch eigentlich weiß, was mir guttut.
Diese Frage beschäftigt mich gerade. Und ich weiß doch schon so viel darüber.
Verstehen ist das eine. Erleben und Fühlen ist etwas ganz anderes.
Den ganzen Tag fließen emotionale Wellen durch mich hindurch.
Manchmal ist die Welle fast so ruhig wie ein stiller See. Und manchmal wird sie groß. Mächtig. So groß, dass ich das Gefühl habe, in ihr ertrinken zu müssen.
Ich stelle mir diese Welle wie eine Sinuskurve vor. Sie bewegt sich nach oben und nach unten.
Oben sind die Emotionen, die ich liebe: Freude, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Begeisterung. Die Wellen, auf denen ich gerne surfe.
Und dann gibt es die anderen.
Traurigkeit. Unsicherheit. Angst. Wut. Bockigkeit.
Je tiefer die Welle nach unten geht, desto schwieriger wird es für mich, einfach damit zu sein.
Denn eine meiner Kernkompetenzen ist: wegmachen. Kompensieren. Etwas tun, damit es wieder anders wird. Damit dieses doofe Gefühl verschwindet!
Aber vielleicht muss ich gar nichts tun.
Vielleicht darf die Welle einfach da sein.
,,Oh. Jetzt merke ich, wie ich gerade richtig, richtig wütend werde. Boah. Das ist schwer auszuhalten." PUNKT.
Und dann nicht sofort etwas tun. Nicht schreien. Nichts an die Wand werfen. Niemanden verantwortlich machen.
Einfach wahrnehmen.
Und durch mich hindurchfließen lassen.
Denn genau das habe ich erfahren: Wenn ich dem Ausschlag nach unten weniger Bedeutung gebe, scheint die Welle schneller durch mich hindurchzufließen.
Und damit bin ich wieder bei meiner Ausgangsfrage:
Wie gehe ich mit mir um, wenn es mal nicht läuft?
Wenn etwas, von dem ich weiß, dass es mir guttut, plötzlich nicht funktioniert?
Werde ich ungehalten? Werde ich wütend? Zweifle ich dann alles an?
Oder kann ich liebevoll mit mir sagen:
„Boah, spannend. Gestern hat es funktioniert. Heute funktioniert es nicht. Ist jetzt einfach so.“
Vielleicht ist genau das meine Lernaufgabe:
Nicht jede Welle verändern zu wollen.
Sondern lernen, mit ihr zu sein.
Auch mit den Wellen, die nach unten gehen.
Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum mir meine Seminare so wichtig sind.
Weil es dort nicht darum geht, noch mehr zu wissen.
Sondern darum, zu fühlen. Zu spüren. Wahrzunehmen.
Und manchmal braucht es dafür gar nicht viel. Einen Moment der Ruhe. Eine Begegnung. Einen Impuls. Oder einen Menschen, der uns an etwas erinnert, das wir eigentlich längst wissen.
Vielleicht brauchen wir genau diese Erfahrungsräume immer wieder.
Nicht, weil wir es noch nicht verstanden haben.
Sondern weil wir immer wieder erinnert werden dürfen.



