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Dürfen Männer weinen?



„Wenn Männer weinen, sind sie doch gleich Memmen.“

Diesen Satz sagte mein Vater vor Kurzem ganz selbstverständlich in einem Gespräch - eher als Beobachtung darüber, wie in unserer Gesellschaft oft auf Männer reagiert wird, wenn sie Tränen zeigen.


Und ich dachte nur: Echt jetzt, Papa?

Du hast mir doch auch vorgelebt, dass es die eigenen Dinge sind, die man tun muss, weil sie sich richtig anfühlen, egal, was der Rest der Bevölkerung macht. Dass es nicht darum geht, sich an anderen zu orientieren, sondern dem eigenen inneren Kompass zu folgen.

Und jetzt soll ein Mann seine Tränen zurückhalten, weil irgendjemand ihn für eine Memme halten könnte??????


Dieser Satz meines Vaters bleibt bei mir hängen...


Ich liebe Menschen, die sich zeigen. Nicht die perfekte Version von sich. Nicht die starke Version. Sondern den echten Menschen - mit allem, was dazugehört. Und ja, dazu gehören für mich unbedingt auch Tränen.


Ich kenne Männer, die weinen, weil sie Angst haben, weil sie etwas verlieren, weil sie nicht mehr weiterwissen. Und ich kenne Männer, denen die Tränen kommen, weil sie berührt sind - von einem Moment, von einem Menschen, von einem Satz.

Und jedes Mal denke ich: Wie mutig. Wie ehrlich. Wie schön.


Ich feiere jeden Menschen, der den Mut hat, sich zu zeigen.

Vielleicht, weil ich selbst lange die starke Sabine war. Die, die alles im Griff hat, die funktioniert, die sich nichts anmerken lässt. Bis mein Leben andere Pläne hatte.

Mit meiner Krebsdiagnose kamen die Tränen: vor Angst, vor Sorge, vor Verzweiflung und gleichzeitig vor Berührtheit, von all den Menschen, die da waren, von Begegnungen, die mein Herz geöffnet haben. Diese Zeit hat mich verändert.


Inzwischen erlaube ich mir, meine Tränen einfach fließen zu lassen.

Meine Tochter sagt ganz oft, wenn sie mir von einem Alltagserlebnis erzählt: „Mama, wenn du dabei gewesen wärst, du hättest geweint.“

Und inzwischen kann ich das feiern. Ja, wirklich feiern. Mich feiern!

Mich berührt ganz, ganz viel im Leben. Und genau deshalb weine ich heute auch sehr oft: vor allem dann, wenn mich etwas tief bewegt, wenn etwas in mir anklingt, wenn ein Wort, eine Begegnung oder ein Moment mein Herz ganz weich macht.


Heute weiß ich: Tränen sind kein Zeichen von Schwäche. Oft sind sie ein Zeichen dafür, dass wir lebendig sind.

Vielleicht berührt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe, was passiert, wenn Menschen aufhören, Rollen zu spielen, wenn sie sich zeigen mit ihren Gedanken, Zweifeln, Ängsten, ihrer Freude und ihren Tränen. Dann entsteht etwas Besonderes: Verbindung, neue Sichtweisen, echtes Miteinander.


Deshalb möchte ich heute gar nicht nur eine Lanze für weinende Männer brechen.

Ich möchte eine Lanze für alle Menschen brechen, die den Mut haben, sich zu zeigen.

Ja bitte - mehr davon. Immer wieder!


Und vielleicht dürfen wir auch aufhören, unseren Kindern Sätze mitzugeben wie: „Jungs weinen nicht.“ Vielleicht dürfen wir ihnen stattdessen sagen: Du darfst fühlen. Du darfst weinen. Du darfst berührt sein. Du darfst Mensch sein.


Und Du? Wieviel von Dir zeigst Du wirklich?

 
 
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