Vielleicht ist: „Ich weiß es gerade nicht" genug.
- Sabine Westerheide

- 20. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal sind es nicht die großen Erkenntnisse, die etwas verändern.
Sondern ein einziger Satz. Ein anderer Blick. Ein Moment des Innehaltens.
Vor kurzem habe ich ein Feedback von einer Frau bekommen, die sich von mir begleiten lässt. Es hat mich berührt, weil es so deutlich zeigt, wie Veränderung oft entsteht:
leise, unspektakulär und gleichzeitig tief.
Sie beschreibt einen ganz alltäglichen Moment. Einen Nachmittag zwischen Terminen, innere Unruhe, das Gefühl, nicht zu wissen, was gerade guttut. Dieses leise, unangenehme „Ich sollte doch eigentlich…“, während gleichzeitig kein Zugang zu dem da ist, was sonst trägt.
Und genau in diesem Moment entsteht Kontakt.
Nicht durch eine große Methode.
Nicht durch ein Konzept.
Sondern durch eine einfache Frage, die im Raum steht:
„Woher weißt du eigentlich, was Dir Freude macht?“
Meine Antwort war ebenso einfach wie klar:
„Heute macht mir Freude mein Seminar vorzubereiten. Heute macht mir Freude, an meinem Bauwagen zu sitzen. HEUTE - JETZT. Morgen kann es etwas ganz anderes sein.“
Keine feste Regel. Kein „so muss es sein“.
Sondern ein bewusstes Erlauben von Veränderung.
Was für viele Menschen in solchen Momenten neu ist:
Es gibt kein richtig oder falsch in dem, was ich fühle - oder eben gerade nicht fühle.
Und genau hier passiert oft etwas Entscheidendes.
Viele Menschen kommen mit der inneren Erwartung zu mir, dass sie eine Lösung brauchen. Eine klare Antwort. Einen Weg, der „funktioniert“.
Doch sehr oft entsteht Entwicklung nicht dadurch, dass wir etwas hinzufügen - sondern dadurch, dass wir etwas weicher werden lassen.
Der Druck, immer wissen zu müssen, was richtig ist.
Die Idee, dass man ständig Zugang zu Freude haben sollte.
Die Vorstellung, dass mit einem etwas nicht stimmt, wenn gerade nichts klar ist.
In einer Begleitung entsteht dann oft ein Perspektivwechsel.
Nicht, indem ich Menschen sage, wie es „richtig“ geht.
Sondern indem ich Erfahrungen teile, Fragen stelle, innere Räume öffne und Dinge in Worte bringe, die oft schon da sind - aber noch keinen Ausdruck gefunden haben.
Diese Frau beschreibt sehr schön, was dadurch möglich wird:
Dass Ruhe zurückkehrt.
Dass Weichheit wieder spürbar wird.
Dass der Zugang zu sich selbst sich öffnet.
Und genau darum geht es in meiner Arbeit.
Nicht um höher, schneller, besser.
Sondern um ein ehrlicheres Hinsehen.
Um ein Wieder-in-Verbindung-Kommen mit dem, was gerade da ist.
Und um die Erlaubnis, nicht immer eine Antwort haben zu müssen.
Ich erlebe immer wieder: Die Impulse, die wirklich etwas bewegen, sind oft klein. Manchmal fast unscheinbar. Und doch verändern sie den inneren Zustand und damit den Blick auf das eigene Leben.
Vielleicht ist genau das die Einladung:
Dass Du nicht alles sofort lösen musst.
Dass Du nicht immer wissen musst, was Dir Freude macht.
Und dass es völlig okay ist, wenn gerade nichts klar ist.
Denn oft beginnt Veränderung genau dort.
Kannst Du gerade ein „Ich weiß es nicht" zulassen?


