Was ist mein WARUM für dieses Leben?
- Sabine Westerheide

- 18. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Heute hat mich eine Freundin ganz spontan gefragt, ob ich Zeit zum Telefonieren habe.
So wie wir es oft machen, sind wir beide losgegangen, jede für sich, in ihrer eigenen Umgebung, und haben uns beim Spazierengehen verbunden. Diese Gespräche haben etwas ganz Eigenes. Sie sind frei, ehrlich, bewegt. Im Außen wie im Innen.
Während wir liefen, erzählte sie mir von ihrer Krebsdiagnose.
Ein Moment, der still macht. Der öffnet. Der verbindet.
Am Ende unseres Telefonats sagte sie einen Satz, der nachklingt:
„Für das nächste Gespräch möchte ich gerne von dir wissen, liebe Sabine, was ist dein Warum für dieses Leben?“
Diese Frage ist nicht neu für mich.
Und doch berührt sie mich jedes Mal wieder tief.
Denn mein Warum ist nichts, was ich mir ausgedacht habe.
Es ist etwas, das ich erlebt habe.
Vor acht Jahren, während meiner eigenen Krebserkrankung, begann sich etwas in mir zu verändern. In dieser Zeit hat meine damalige Heilpraktikerin etwas zu mir gesagt, das sich tief in mir verankert hat:
„Alles, was du jetzt erlebst, die Erfahrungen, die du machst, sind so wichtig für dein Leben. Du wirst sie weitergeben. Du wirst sie erzählen. Und allein durch dein Erleben wirst du andere Menschen unterstützen und begleiten.“
Damals konnte ich nur ahnen, was sie wirklich meinte.
Heute weiß ich es.
Vor einiger Zeit bin ich dem Modell der Salutogenese begegnet. Es beschreibt, was Menschen gesund hält und nicht nur, was sie krank macht. Ein zentraler Aspekt darin ist die Sinnhaftigkeit, also das Gefühl, dass das eigene Leben einen Sinn hat. Dass es ein Warum gibt.
Besonders berührt hat mich, wie diese Erkenntnisse entstanden sind.
Der Begründer der Salutogenese hat dafür Frauen befragt , die den Holocaust überlebt hatten. Dabei zeigte sich, dass einige von ihnen trotz dieser extremen Erfahrungen eine erstaunliche innere Stabilität bewahren konnten.
Es ging dabei nicht darum, dass ihr Leid geringer gewesen wäre.
Sondern darum, wie sie innerlich damit umgegangen sind.
Und ein entscheidender Faktor war, ob sie ihrem Leben einen Sinn geben konnten.
Ob sie ein inneres Warum hatten.
Etwas, wofür es sich lohnte, weiterzugehen.
Und genau das berührt mich so tief.
Weil ich es auf meine eigene Weise kenne.
Mein Warum für dieses Leben ist es, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, mit meinen Geschichten, meine Erfahrungen.
Egal, in welcher Lebenssituation sie sich befinden.
Nicht, weil ich alle Antworten habe.
Sondern weil ich gegangen bin.
Weil ich gefallen bin.
Weil ich wieder aufgestanden bin.
Weil ich gefühlt, gezweifelt, gehofft und weitergemacht habe.
Ich habe Erfahrungen gesammelt.
Ich habe Geschichten erlebt.
Und ich habe gelernt, hinzuschauen und zu reflektieren.
Manchmal sage ich schmunzelnd:
„Egal, was ihr mich fragt, ich habe zu jedem Thema eine Geschichte.“
Und genau darin liegt für mich etwas Wundervolles.
Denn meine Geschichten sind mehr als nur Erlebnisse.
Sie sind Brücken.
Sie sind Einladungen.
Sie sind vielleicht genau das, was ein anderer Mensch in einem bestimmten Moment hören darf.
Mein Warum ist kein großes, lautes Konzept.
Es ist etwas sehr Echtes.
Sehr Menschliches.
Ich möchte da sein.
Ich möchte teilen.
Ich möchte begleiten.
Und wenn meine Erfahrungen einem anderen Menschen helfen, sich ein kleines Stück weniger allein zu fühlen,
wenn sie Halt geben oder Mut machen,
dann erfüllt sich mein Warum immer wieder aufs Neue.
Und was ist Dein Warum für dieses Leben?


