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Mut muss nicht immer laut sein

Aktualisiert: vor 6 Tagen



Es gibt Momente im Leben, die uns verwandeln - nicht von außen sichtbar, aber tief innen spürbar.

Für mich war ein solcher Moment am 30.04.2018.



Es war meine erste Chemotherapie. Die Nadel wurde gesetzt und die Flüssigkeit begann langsam durch die Vene in meinen linken Arm zu fließen. Nach ein paar Minuten spürte ich ein Unbehagen. Etwas fühlte sich nicht richtig an. Ich hatte irgendwo gelesen oder gehört, dass es sehr wichtig sei, dass die Nadel, durch die die Chemoflüssigkeit läuft, richtig in der Vene sitzt. Wenn sie verrutscht, könnte die Flüssigkeit ins Gewebe fließen und großen Schaden anrichten. Mein Herz klopfte, in mir war Angst und Panik, und obwohl ich wusste, wie beschäftigt das Personal war, drückte ich die Klingel. Ich bat darum, noch einmal zu prüfen, ob die Nadel wirklich richtig sitzt.


Es klingt vielleicht unspektakulär. Aber in diesem Moment habe ich etwas getan, was für mich damals alles andere als selbstverständlich war: Ich habe mich selbst ernst genommen. Ich habe meiner inneren Stimme vertraut. Ich habe für mich gesorgt.


Das war mein erster bewusster Moment von Mut.

Leise. Klar. Lebenswichtig.



Als ich dort im Behandlungszimmer saß, mit der Infusion in meinem Arm und diesem leisen Unbehagen in mir, wusste ich nicht, dass genau das mein erster bewusster Schritt in Richtung Mut war. Ich hatte einfach nur gespürt: Etwas stimmt nicht. Und obwohl ich Angst hatte, obwohl ich nicht auffallen wollte und mir unsicher war, ob ich „übertreibe“, habe ich geklingelt.


Ich habe gesprochen.

Ich habe um Überprüfung gebeten.

Ich habe Verantwortung übernommen - für mich, für meinen Körper, für mein Leben.


Das war der Moment, in dem ich spürte: Mut beginnt dort, wo ich mich selbst ernst nehme.

Nicht laut, nicht heroisch, sondern still, achtsam und ganz bei mir.


In den Monaten danach wurde mir klar, dass genau diese Haltung - das Lauschen auf die eigene innere Stimme - zu meiner Kraftquelle geworden war. Es folgten viele Situationen, in denen mein Mut erwachte. Momente, in denen ich für mich losging, in denen ich gut für mich sorgte, manchmal leise, manchmal sehr entschlossen. Und immer wieder spürte ich die Kämpferin in mir, die mir zuflüsterte oder auch mal laut zurief: Los. Geh. Tue es - für DICH!


Aus dieser Erfahrung ist der Name MUTQUELLE entstanden.

Denn Mut ist nichts, was man sich „aneignet“ oder von außen bekommt. Mut ist eine Quelle in uns, manchmal verschüttet, manchmal still, aber immer da.



Heute bedeutet MUTQUELLE für mich, genau diesen Raum zu öffnen - für andere Menschen, die spüren, dass sie sich selbst wieder begegnen möchten.

Es geht nicht darum, Angst zu besiegen, sondern darum, sie an die Hand zu nehmen.

Mut heißt, das Leben zu fühlen - mit allem, was da ist - und trotzdem weiterzugehen.

Aus dieser Quelle schöpfe ich. Und aus ihr begleite ich andere.


Und Du? Wo beginnt Dein Mut?

 
 
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