Selbstfürsorge - Kann ich das wirklich?
- Sabine Westerheide

- 21. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Dez. 2025

Selbstfürsorge klingt leicht, doch für mich war es ein Weg, den ich nicht freiwillig gewählt habe.
Selbstfürsorge war eine Lektion, die ich damals lernen musste und die mich bis heute begleitet.
Vor sieben Jahren erkrankte ich an Krebs, vor drei Jahren an Burnout.
Seit Montag lag ich nun krank im Bett, ausgerechnet in der Woche, in der am Freitag ein Seminar stattfinden sollte: unser erster großer Auftrag in einem Unternehmen. Ein wichtiger Moment. Ein Durchbruch für Daniela und mich…
Und wieder stand die Frage im Raum:
Wie gut kann ich inzwischen für mich sorgen?
Die alte Version von mir hätte alles gegeben, um beim Seminar dabei zu sein. Doch diesmal war es anders. Ich spürte: Die Antwort kann ich nicht vorher finden. Sie zeigt sich nur im Moment, am Freitagmorgen.
Am Donnerstagabend sagte meine Tochter:
„Mama, nicht dein Ernst! Du liegst seit vier Tagen im Bett. Willst du wirklich morgen ein Seminar geben? Denkst du an dich? Und auch an die anderen?“
In diesem Moment ging mir ein Licht auf.
Ich habe viele Jahre meines Lebens genauso gehandelt:
„Ja, ich bin krank und fühle mich nicht gut, aber irgendwie wird es schon gehen.“
Ich habe funktioniert, bin zur Arbeit gegangen.
Doch inzwischen spüre ich etwas anderes in mir, wie eine innere Faust,
die einmal kräftig boxt und fragt:
„Spinnst du? Willst du das wirklich tun?
Willst du das wirklich vorleben?“
Dieser Satz meiner Tochter öffnete einen Raum,
in dem ich ehrlich werden konnte, mit mir selbst.
Als ich am Freitagmorgen aufstand und ins Bad ging, wusste ich:
Ich gehöre nicht ins Seminar.
Nicht für mich und nicht für die Menschen, die dort sitzen würden.
Früher hätte ich das als Schwäche empfunden.
Heute weiß ich: Das ist Selbstfürsorge.
Nicht zurückweichen. Sondern ehrlich sein. Lauschen. Verantwortung spüren, in beide Richtungen:
für mich und für die anderen.
Ich habe aus meinen Erkrankungen viel mitgenommen:
Selbstfürsorge ist eine innere Haltung, ein lebenslanger Prozess, immer wieder Ja zu sich selbst zu sagen, Ja zum Leben.
Und manchmal ist das mutigste Ja - ein Nein.
So sorge ich weiter gut für mich. Ich gebe mir Zeit. Noch einen Tag. Und so viele, wie es braucht. Ich folge meinem Tempo - das ist genug. Vielleicht beginnt genau hier etwas Neues.
Ich habe gelernt, meine Grenze zu spüren und zu respektieren.
Und Du?
Was brauchst Du heute, genau jetzt - damit Du gut für Dich sorgen kannst?
